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Risikomanagement
Risikomanagementsystem und rechnungslegungsbezogenes internes Kontrollsystem
Etwaigen negativen Folgen von Risiken wirkt das Unternehmen mit einem ausführlichen Risikofrüherkennungssystem sowie einem internen Kontrollsystem als integralem Bestandteil des Risikomanagements entgegen. Mittels eines Fragebogens und freier Berichte identifizieren und evaluieren die Tochtergesellschaften regelmäßig die bestehenden und zukünftigen Risiken, deren Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die mit der Realisierung verbundenen Auswirkungen, um dementsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Darüber hinaus werden wichtige Leistungskennzahlen regelmäßig durch das Management eruiert und vom Vorstand überwacht. In jedem Tochterunternehmen wurde ein Risikomanager bestimmt, der für das Reporting und die Durchführung der dafür notwendigen Analysen innerhalb dieses Tochterunternehmens verantwortlich ist.
Ziel des Risikomanagementsystems im Hinblick auf die Rechnungslegungsprozesse ist die Identifizierung und Bewertung von Risiken, die dem Ziel der Regelungskonformität des Konzernabschlusses entgegenstehen könnten. Erkannte Risiken sind hinsichtlich ihres Einflusses auf den Konzernabschluss und hinsichtlich darüber hinaus reichender Auswirkungen zu bewerten. Die Zielsetzung des internen Kontrollsystems des Rechnungslegungsprozesses ist es, durch die Implementierung von Kontrollen hinreichende Sicherheit zu gewährleisten, dass trotz der im Rahmen des Risikomanagements identifizierten Risiken ein regelungskonformer Konzernabschluss erstellt wird.
Sowohl Risikomanagementsystem als auch internes Kontrollsystem umfassen alle für den Konzernabschluss wesentlichen Tochtergesellschaften mit sämtlichen für die Abschlusserstellung relevanten Prozessen. Die für die Rechnungslegung relevanten Kontrollen richten sich insbesondere auf Risiken wesentlicher Fehlaussagen in der Finanzberichterstattung. Wesentliche Elemente zur Risikosteuerung und Kontrolle in der Rechnungslegung sind die klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten und Kontrollen bei der Abschlusserstellung, transparente Vorgaben mittels Richtlinien zur Bilanzierung und Abschlusserstellung und angemessene Zugriffsregelungen in den abschlussrelevanten EDV-Systemen.
Einzelrisiken
Umfeld- und Branchenrisiken
In regulatorischer Hinsicht wird unser Geschäftsumfeld durch die regionalen Förderungsbedingungen von Solaranlagen beeinflusst. Der Wegfall staatlicher Förderung oder eine starke Degression der Einspeisevergütung können sich auf die davon betroffenen Märkte insgesamt oder auch nur auf spezifische in diesen Märkten vertriebene Produktvarianten negativ auswirken. Mit Blick auf die Branche besteht ein wesentliches Risiko im Einkauf. Bei sinkenden Preisen für Solarsilizium besteht potenziell das Risiko, zu teuer einzukaufen. Vor diesem Hintergrund verfolgt CENTROSOLAR eine Einkaufspolitik der kurzfristigen Lieferverträge, um flexibel auf den prognostizierten Preisverfall reagieren zu können und dieses spezifische Risiko zu minimieren. Mit dieser strategischen Entscheidung ist allerdings gleichzeitig das neue Risiko einer potenziellen Unterversorgung verbunden. Zwar war das vergangene Jahr von Überkapazitäten auf allen Wertschöpfungsstufen geprägt. Gleichzeitig sind jedoch Szenarien denkbar – beispielsweise Handelsbeschränkungen –, die erneut zu temporären Engpässen bei den Lieferanten der CENTROSOLAR führen könnten. Daher beobachten wir kontinuierlich den Markt, um sich abzeichnende Engpässe durch auf Marktpreisen basierende Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu 12 Monaten umgehen zu können. Darüber hinaus bauen wir auf die vertrauensvolle, langfristige Zusammenarbeit mit ausgewählten Lieferanten hochwertiger Qualitätszellen.
Kurzfristige Preisrisiken im Jahresverlauf lassen sich jedoch nicht umgehen, da über das Jahr Lagerbestände auf- und abgebaut werden, um saisonale Schwankungen ausgleichen zu können. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Geschäftsjahr 2009, als hohe Lagerbestände aus dem Vorjahr zu erheblichen Abwertungsverlusten im ersten Halbjahr geführt hatten, verfolgt die CENTROSOLAR eine konservative Lagerhaltungspolitik, durch die im Zweifelsfall höhere Absatzchancen zu Gunsten geringerer Abwertungsrisiken vergeben werden. Dies wurde auch im abgelaufenen Geschäftsjahr in weiten Teilen praktiziert, als unterjährige Abwertungen von Lagerbeständen im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern vermieden werden konnten. Durch den Ausbau der Produktionskapazitäten im vergangenen Jahr ist nun bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz eine zeitnähere und bedarfsgerechte Produktion möglich. Der starke Preisverfall des vergangenen Jahres hat die seit einiger Zeit erwartete Konsolidierungswelle in Schwung gebracht. So sind viele Marktteilnehmer in finanzielle Schwierigkeiten geraten und namhafte Wettbewerber sind bereits insolvent geworden. In diesem Konsolidierungsumfeld versuchen angeschlagene Unternehmen mit nichtkostendeckenden Preisen ihre Liquidität zu optimieren, auch wenn dadurch hohe Verluste realisiert werden.
Das verstärkt übergangsweise den Preisdruck weiter. Auch hier hilft dem Unternehmen seine konservative Lagerhaltungspolitik. Darüber hinaus setzt das Unternehmen bereits seit Mitte 2011 ein umfassendes Programm zur Optimierung seiner Prozesse und Kostenposition in der Vertriebs- und Verwaltungsorganisation um und engagiert in diesem Zusammenhang auch externe Berater. Schließlich besteht auch das Risiko der Wettbewerbsverzerrung durch staatliche Förderung und Subventionen für Produzenten in einzelnen Ländern, beispielsweise in Form von günstigen Darlehen, Exportsubventionen oder Importzöllen. Hier ist CENTROSOLAR wie alle anderen Marktteilnehmer auf regulative Korrekturmaßnahmen auf politischer Ebene angewiesen. Anforderungen lokaler Wertschöpfung zur Berechtigung auf Einspeisevergütungen adressiert CENTROSOLAR durch die Kooperation mit lokalen Herstellern in den betreffenden Ländern, beispielsweise in Kanada.
Unternehmensstrategische Risiken
Die Erschließung neuer ausländischer Märkte, die die CENTROSOLAR mit der Strategie der internationalen Expansion verfolgt, bringt nicht nur viele Chancen, sondern auch zahlreiche Risiken mit sich. Einerseits ist mit Sprach- und Mentalitätsbarrieren zu rechnen, andererseits existieren landesspezifisch jeweils andere Branchen- und Marktstrukturen sowie ein anderes Wettbewerberumfeld. Es ist somit möglich, dass die im Vorhinein erstellten Umsatzpläne nicht zum Tragen kommen und die Auslandsgesellschaften zunächst Verluste ausweisen. Da das Wissen über den Zielmarkt demgegenüber ein maßgeblicher Erfolgsfaktor ist, setzen wir auf nachhaltige Marktanalysen und detaillierte, auf Einzelschritte ausgelegte Roadmaps beim Aufbau neuer Tochtergesellschaften und deren Markterschließung.
Leistungswirtschaftliche Risiken
Bei der Produktion von qualitativ hochwertigem Solarglas und Solarmodulen in den Werken in Fürth und Wismar sind wir auf den reibungslosen Betrieb der dafür bereitstehenden Anlagen angewiesen. Obwohl wir höchsten Wert auf Wartung und optimierte Bedienung legen, kann es im Falle des Ausfalls zu kurzfristigen Lieferengpässen kommen. Ein weiteres Risiko in diesem Zusammenhang sind Reklamationen infolge von Produktmängeln, die u.a. auch durch Fehler eines externen Produktionspartners bedingt sein können. Durch die Erhöhung von Garantierückstellungen und Audits der entsprechenden Vorlieferanten wird diesem Risiko entgegengewirkt.
Darüber hinaus müssen die Module und Solargläser aus eigener Produktion dauerhaft den Ansprüchen des Marktes hinsichtlich Qualität und Preis gerecht werden. Daher haben wir unsere F&E-Aufwendungen weiter ausgebaut und Experten aus der Automobil- und Halbleiterindustrie in unser Managementteam aufgenommen.
Personalrisiken
Relevante Personalrisiken bestehen vor allem hinsichtlich der Austritte von Fach- und Führungspersönlichkeiten. Zur Bindung von Schlüsselpersonen verfolgt CENTROSOLAR zwei Stoßrichtungen. Einerseits werden den lokalen Geschäftsführern weitestgehend unternehmerische Freiräume innerhalb der von ihnen verantworteten Bereiche gewährt. Die Koordination und Integration aller Unternehmen im Konzernverbund wiederum erfolgt durch ein gruppenübergreifendes Steuerungsgremium. Andererseits bietet ein Aktienoptionsprogramm finanzielle Anreize zur Mitarbeit am Konzernerfolg.
Finanzwirtschaftliche Risiken
Im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit ist CENTROSOLAR finanzwirtschaftlichen Risiken in den Bereichen Devisen, Zinsen und Forderungen ausgesetzt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden Devisenrisiken, die beispielsweise durch den Einkauf von Zellen in US-Dollar und den Verkauf von Modulen im Euro-Raum entstanden, in geringem Umfang durch eine unterjährige Absicherung mittels Put-Optionen und Termingeschäften begrenzt, die nicht an Einzelgeschäfte geknüpft waren, sondern am globalen Wechselkursrisiko orientiert waren.
Durch die wachsenden Absätze auf dem US-amerikanischen Markt kann zunehmend auf eine natürliche Absicherung des Währungskursrisikos abgestellt werden. Zur Vermeidung von Forderungsausfällen wird bei Erstkunden und Kunden mit eingeschränkter Bonität in der Regel per Vorkasse abgerechnet. Daneben nutzt die CENTROSOLAR teilweise auch Factoring zur Vermeidung von Forderungsausfällen. Schließlich ergeben sich für CENTROSOLAR auch Zinsrisiken. Etwa die Hälfte der Finanzverbindlichkeiten hatten zum Stichtag feste oder durch Derivate fixierte Zinssätze.
Hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten besteht vor dem Hintergrund der Basel-III-Anforderungen an Kreditinstitute sowie der nach wie vor intensiven politischen Auseinandersetzung mit Förderungskürzungen in der Solarindustrie (siehe auch die Ausführungen im Nachtragsbericht) das generelle Risiko, dass kurzfristig zur Verfügung gestellte Kreditlinien eingeschränkt und gegebene Kredite Vorzeitig zurückgefordert werden.
Neben kurzfristig zur Verfügung stehenden Rahmenkreditlinien nutzt die CENTROSOLAR auch mittel- und langfristige Kredite, die zum Teil mit kreditvertraglichen Vereinbarungen hinsichtlich der Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen (Covenants) versehen sind, bei deren Verletzung die Banken von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen könnten. Zum 31. Dezember 2011 waren Kredite in Höhe von 7,6 Mio. EUR mit solchen Vereinbarungen belegt. Die dabei zugrunde gelegten Finanzkennzahlen wurden zum Stichtag vollständig eingehalten.
Gesamtaussage zur Risikosituation des Konzerns
Durch die abnehmende politische Unterstützung der Förderung von Solarstrom in einzelnen, wichtigen Absatzmärkten sowie die aktuellen Überkapazitäten ist von einem weiterhin hohen Wettbewerbs- und Kostendruck in der Branche auszugehen. Dies wird verstärkt durch eine steigende Zahl an Unternehmen in Finanzierungsschwierigkeiten, die ihre Liquidität mit nicht-kostendeckenden Preisen erhalten wollen.
Trotz der erwirtschafteten Verluste im abgelaufenen Geschäftsjahr befindet sich CENTROSOLAR unserer Meinung nach in einer vergleichsweise guten Ausgangsposition, um gestärkt aus der aktuellen Konsolidierungsphase hervorzugehen: Das Unternehmen verfügt über eine im Wettbewerbsvergleich recht gute Liquiditätsposition. Durch institutionalisierte kontinuierliche Verbesserungsprozesse hat das Unternehmen seine Fähigkeiten zur Effizienzsteigerung Schritt für Schritt erhöht. Das Unternehmen hat sich ebenfalls über viele Jahre konsequent auf den Handwerkervertrieb für kleinere und mittlere Dachanlagen spezialisiert und hierfür ein internationales Vertriebsnetzwerk aufgebaut. Schließlich hat das Unternehmen sein Produktportfolio verbreitert. Diese drei eben beschriebenen Elemente – Sicherstellung der nachhaltig richtigen Strategie, Kosteneffizienz und Liquiditätserhaltung – sind aus Sicht der Unternehmensführung die Bausteine für die erfolgreiche Bewältigung der aktuellen Konsolidierungsphase.
Im Rahmen des Risikomanagementsystems wurden keine den Fortbestand des Unternehmens gefährdenden Einzelrisiken festgestellt. Nach wie vor ist damit weniger die Realisierung eines einzelnen Risikos als eine Verkettung des Eintritts verschiedener Risiken als bestandsgefährdend für das Unternehmen einzuschätzen.






